Falafel – Die kleine Geschichte von der runden Sache

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Bestimmte Nahrungsmittel prägen die Identität sozialer Gruppen. Das klingt vielleicht trocken, aber einige Beispiele machen es einfacher verständlich. Da gibt es die  Spaghettifresser, die Reisfresser, die Krauts …verstanden?

Die Falafel wird zwar nicht zum Abwerten oder Beleidigen verwendet, aber sie steht eng im Zusammenhang mit der nationalen Identität von Israelis – sie ist ihr Nationalgericht, doch in dieser Rolle durchaus umstritten, weil auch sie einen Migrationshintergrund hat. Es wäre ein bisschen als mache man den Döner zum deutschen Nationalgericht, nur noch viel politischer und das hängt mit der Geschichte des jungen Staates Israels zusammen.

Woher kommt die Falafel?

Die Falafel stammt ursprünglich aus Ägypten und ist dort bis heute ein beliebtes und verbreitetes Gericht das dort aber Ta’amia genannt wird. Vermutlich erfanden ägyptische Kopten sie als günstige Eiweißquelle zur Fastenzeit. Die Falafel besteht aus Kichererbsenmehl (oder anderen gemahlenen Hülsenfrüchten). Dieses Mehl wird mit Wasser und Gewürzen wie Cayennepfeffer und Koriander zu kleinen Bällchen geformt und frittiert. Dazu ist man gerne Sesam- oder Joghurtsoße und Pitabrot. Klingt lecker und unkompliziert. Im Nahostkonflikt wurde dieses Gericht zur Zutat für die israelische Identität und wurde somit symbolisch aufgeladen.

Symbolische Dimension

Bestimmte Speisen können auch eine symbolische Bedeutung haben. Oft ist uns das nicht bewusst, aber auch bei uns ist dies noch verbreitet. So wird die Hostie im Gottesdienst zum Leib Christi oder die Hühnersuppe, die man einem Kranken macht zum Inbegriff der Fürsorge. Diese kleinen Falafelbällchen verfügen auch über so eine symbolische Kraft. Sie wurden von der israelischen Nationalbewegung zum Nationalgericht erklärt. Dafür musste man sie von ihren arabischen Wurzeln lösen.

Denn wer ein bisschen mit dem Nahostkonflikt vertraut ist, weiß das sich diese Gruppen nicht wirklich gut verstehen.

Diese Wahl wirkt zwar eigenartig doch ist diese einfache Speise gut dazu geeignet die vielen Einwanderer die nach der Staatengründung nach Israel gekommen sind, zu einen und außerdem die Verbundenheit mit der Region auszudrücken. Dies wäre bei der Wahl von anderen typisch jüdischen Speisen wie zum Beispiel der „gefilte Fisch“, der hauptsächlich bei den Ostjuden verbreitet war, nicht möglich gewesen. Aber so bekamen alle Neuankömmlinge eine neue nationale Identität und einen neuen regionalen Bestandteil auf ihrem Speiseplan.

Zu dieser Zeit war nicht nur die Bildung von nationalem Zusammenhalt wichtig, sondern auch die Verbindung zu den jüdischen Speisevorschriften. Weil die Falafel bei der in den Kashrut genannten Speisevorschriften und darin enthaltenen Trennung von milchigen und fleischigen Speisen als parve, also neutral gilt, kann sie beliebig kombiniert werden. Außerdem bot dieses günstige Essen eine gute Möglichkeit die zunehmende Bevölkerung und die häufig armen Einwanderer zu ernähren.

Auch Juden die in den USA oder anderswo leben essen gerne Falafel, oder servieren sie auf Familienfeiern, weil sie damit ihre Verbundenheit mit Israel zum Ausdruck bringen können, die auch noch schmeckt.

Wer einmal schmecken möchte wie diese Kombination aus Kichererbsenmehl, Politik, Wirtschaft, Geschichte und Religion schmeckt hat folgende Möglichkeiten.

Ausprobieren

Besonders leckere Falafel gibt es im

Swept Away

Donaustraße 14
85049 Ingolstadt

Selbst kochen ist aber auch ganz leicht: In der Bioecke bei Rossmann findet sich eine Trockenmischung die mit ein wenig Wasser und einer Pfanne mit Öl in weniger als einer halben Stunde eigene leckere Falafel zaubern lässt.

Dazu passt ausgezeichnet bunter Salat.

Übrigens
Dasselbe Schicksal hatte übrigens auch die Orange. Die Orange hat  als Exportschlager und wichtigstes Agrarprodukt Israels zum wirschaftlichen Aufbau des Landes beigetragen und ist etwas worauf viele Israelis stolz sind.

Was denkst du?